Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag schildert meine persönliche Erfahrung und ordnet sie anhand aktueller Quellen ein. Er ist keine individuelle medizinische Anleitung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Zehn bzw. vierzehn Tage ohne Nahrung sind keine harmlose Alltags-Challenge. Besonders bei Erkrankungen, im höheren Alter oder bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollte erst einmal durch einen Arzt abgeklärt werden, ob diese Art zu fasten überhaupt empfehlenswert ist und gegebenenfalls nur mit qualifizierter medizinischer Begleitung gefastet werden sollte.
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Wie ich zum Fasten gekommen bin
Ich hätte noch vor wenigen Monaten nicht gedacht, dass ich einmal zehn Tage faste. Nicht scheinfasten, nicht nur ein bestimmtes Zeitfenster am Tag – sondern ohne feste Nahrung. Nur Wasser. Das war mir immer zu extrem. Warum wir es dann doch versuchen wollten, hatte unterschiedliche Gründe.
Bei Michi stand eher das Gewicht im Vordergrund. Nicht, weil er es unbedingt nötig hatte. Er erhoffte sich durch ein solches Reset eine gute Grundlage zu schaffen, um anschließend fitter, schneller und einfacher in sportliches Training zurück finden zu können.
Bei mir war es mit 41 Jahren vor allem die Gesundheit. Obwohl ich mich überwiegend vegetarisch ernähre, mich jeden Tag bewege, regelmäßig Sport mache, nicht rauche, kaum beziehungsweise keinen Alkohol trinke und kein Übergewicht habe, war mein unterer Blutdruckwert zu hoch.
Was Fasten bewirken kann
Eine begrenzte Fastenphase kann bei dafür gesunden Erwachsenen den Stoffwechsel deutlich umstellen. In kleinen Humanstudien sanken Körpergewicht und häufig auch Blutdruck. Ab etwa dem dritten Tag wurden umfangreiche Veränderungen im Blutproteinmuster sichtbar. Medizinisch begleitet wurde längeres Fasten überwiegend gut vertragen. Mindestens ebenso interessant ist der mögliche Neustart im Kopf: Hunger, Gewohnheiten und Geschmack werden plötzlich sehr deutlich – und damit auch die Chance, Ernährung und Bewegung danach bewusster neu aufzubauen.
Meine Hausärztin und auch die Gynäkologin fanden zunächst keine weiteren Ursachen. Der Blutdruck sollte dann medikamentös eingestellt werden. Die Tabletten senkten bei mir aber nicht einfach nur den gewünschten Wert. Mein gesamter Blutdruck geriet durcheinander mit wirklich deutlichen Kreislaufproblemen – wie damals in der Schwangerschaft.
Alles (oder so ziemlich alles) richtig zu machen und sich dann mit Anfang 40 mit Blutdrucksenkern abgeben zu müssen, war keine Option für mich.
Und das war dann der Moment, in dem ich nach einem anderen Ansatz gesucht habe.
Für wen ist Fasten nicht geeignet?
– Kinder und Jugendliche
– Schwangere oder Stillende
– Menschen mit einer aktuellen oder früheren Essstörung
– alte oder körperlich geschwächte Menschen
– Menschen mit schweren akuten Erkrankungen
– Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen
– bei Typ-1-Diabetes besteht die Gefahr einer Ketoazidose; hier gehört die Entscheidung vorher in ärztliche Hände
– bei chronischen Erkrankungen, auffälliger Nieren- oder Leberfunktion, psychischer Instabilität
– nach Operationen
Irgendwann fiel mir auch das Buch Wasserfasten von Prof. Dr. Peter Schwarz in die Hände.
Prof. Dr. med. Peter E. H. Schwarz arbeitet am Universitätsklinikum Dresden in der Prävention und Versorgung des Diabetes. In seinem Buch beschreibt er auch, dass er Wasserfasten zunächst selbst skeptisch gegenüberstand und seine Haltung nach einem eigenen Versuch sowie durch die weitere Begleitung von Patientinnen und Patienten änderte.
Gleichzeitig macht er deutlich, wie viele Fragen noch offen sind. Genau deshalb hat er ein internationales Fastenregister angestoßen: Teilnehmende beantworten in regelmäßigen Abständen Fragen zu Fastenform, Ausgangslage, Wirkung und Nebenwirkungen.
Das von der Ethikkommission der TU Dresden genehmigte Register soll helfen, künftig besser zu erkennen, wer von welcher Fastenform profitiert – und wer nicht. → Zum Fastenregister
Im Laufe der Jahre haben sich bei uns verschiedene Bücher zu Intervallfasten, Scheinfasten, Ernährung und längeren Fastenphasen angesammelt. Wir haben daraus Rezepte ausprobiert, einzelne Fastenmodelle übernommen und manches später wieder anders gemacht.
Bücher, die uns beim Fasten begleitet haben
Der konkrete Anstoß für diesen Versuch war vor allem das Buch Wasserfasten von Prof. Dr. Peter Schwarz. Es war unsere wichtigste Orientierung für Vorbereitung, Bewegung, Trinkmenge und den anschließenden Kostaufbau. Die anderen Bücher gehören eher zu unserer bisherigen Beschäftigung mit dem Thema.
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Wasserfasten von Prof. Dr. Peter Schwarz – Affiliate-Link
Ausgangspunkt für unseren zehntägigen Versuch und den anschließend geplanten Kostaufbau -
Mit Ernährung heilen – Affiliate-Link
Ein allgemeinerer Blick auf Ernährung, Fasten und deren mögliche Bedeutung für die Gesundheit -
Die Ernährungs-Docs: Gesund und schlank durch Intervallfasten – Affiliate-Link
Eines der Bücher, aus denen wir zuvor Anregungen für alltagstaugliche Fastenphasen übernommen haben -
Scheinfasten – Das Rezeptbuch – Affiliate-Link
Rezepte und Ideen für eine mehrtägige, stark kalorienreduzierte Form des Fastens
Die fachlichen Aussagen in diesem Beitrag haben wir nicht ungeprüft aus diesen Büchern übernommen. Dafür haben wir zusätzlich die am Ende aufgeführten medizinischen und wissenschaftlichen Quellen verwendet.
Warum Fasten mehr sein kann als bloßer Verzicht
Fasten ist keine moderne Wellness-Erfindung. Prof. Schwarz ordnet es in eine lange Geschichte ein, die von Hippokrates über religiöse Traditionen bis zum Ayurveda reicht. Auch aus evolutionärer Sicht ist es plausibel, dass der menschliche Stoffwechsel zeitweise ohne ständige Nahrungszufuhr auskommen kann: Essen war nicht immer rund um die Uhr verfügbar. Das allein beweist noch keine Heilwirkung, erklärt aber, warum eine zeitlich begrenzte Nahrungspause nicht automatisch etwas Schädliches ist.
Heute ist vor allem die dauernde Verfügbarkeit energiereicher Nahrung neu. Dabei ist nicht jedes Körperfett gleich: Unterhautfett ist anders zu bewerten als Fett, das sich im Bauchraum und in Organen wie der Leber ansammelt.
Eine große Auswertung von 72 Langzeitstudien mit mehr als 2,5 Millionen Menschen fand pro 10 cm zusätzlichem Taillenumfang ein im Mittel um 11 % höheres Risiko, vorzeitig zu sterben – unabhängig vom BMI.
Meta-Analyse zu Bauchumfang und Sterblichkeit
Wasserfasten in Kürze

- Ich habe zehn volle Tage keine feste Nahrung gegessen.
- Neben Wasser habe ich ungesüßten Schwarztee, später Grün- und Kräutertee getrunken. Streng wissenschaftlich war es deshalb kein reines „water-only fasting“ – laut der Lektüre aber erlaubt.
- Die schwierigsten Tage waren für mich Tag 2, Tag 4 und Tag 5.
- Hunger war später kaum noch das Problem. Kreislauf, Erschöpfung, Wassergeschmack waren präsenter.
- Die Waage zeigte am Ende 7,5 kg weniger. Das war allerdings (leider) keinesfalls nur Körperfett.
- Mein Blutdruck lag an Tag 11 bei 105/60 und im Gegensatz zu den Tabletten, die den Blutdruck auch so weit runtergeregelt hatten, ging es mir diesmal richtig gut damit.
- Nach dem Fasten folgten sieben bewusst aufgebaute Esstage, die wir [hier](Unsere sieben Aufbautage) als eigene Beitragsserie dokumentiert haben.
- Drei Monate später war der untere Blutdruckwert weiterhin niedriger. Gleichzeitig waren mein erster Zyklus danach deutlich verändert und auch die Haarveränderungen hielten noch an.
Mögliche positive Wirkungen – kurz eingeordnet
Je nach Fastenform, Dauer und Ausgangslage zeigen Studien Veränderungen bei Gewicht, Blutdruck, Ketonkörpern und einzelnen Stoffwechselwerten.
Auch Leberfett und Insulinempfindlichkeit können bei einer deutlichen negativen Energiebilanz abnehmen. In einer norwegischen Studie verbesserten sich Beschwerden von Menschen mit rheumatoider Arthritis nach einer Fastenphase mit anschließender pflanzenbetonter Ernährung; eine neuere Studie fand für Fasten plus pflanzenbasierte Kost nach zwölf Wochen keinen klaren Vorteil gegenüber einer entzündungshemmenden DGE-Ernährung, aber in beiden Gruppen Verbesserungen.
Beim Darmmikrobiom wurden während medizinisch begleiteten Fastens deutliche Veränderungen gemessen, viele davon bildeten sich nach dem Fasten rasch wieder zurück.
Was meinen wir eigentlich mit Wasserfasten?
Fasten ist nicht gleich Fasten. Das war uns zwar grundsätzlich klar. Die Unterschiede werden in vielen Artikeln aber durcheinandergeworfen.
- Wasserfasten / water-only fasting
keine Nahrung und keine kalorienhaltigen Getränke; in Studien meist ausschließlich Wasser - Heilfasten nach Buchinger
eine kleine Energiemenge, typischerweise über Brühe, Saft und etwas Honig; laut DGE meist 250 bis 500 kcal täglich - Scheinfasten
mehrtägige, stark kalorienreduzierte Ernährung, die bestimmte Fastenprozesse nachahmen soll - Intervallfasten
regelmäßige Essenspausen, etwa 16:8, ohne mehrere Tage vollständig auf Nahrung zu verzichten
Warum ich fasten wollte
Mein Ausgangspunkt war vor allem die Sache mit dem Blutdruck. Trotzdem war auch ich gespannt, wie das Fasten sich auf mein Gewicht und alle anderen Körperfunktionen auswirkt – währenddessen und danach.
Der Gedanke, dass man durch Wasserfasten der Leber einen Reset verpassen kann und so seinem Körper eventuell für lange Zeit etwas wirklich Gutes tut, hat mich nicht mehr losgelassen.
Dazu kommt, dass ich ausgebildete medizinische Fachangestellte bin (das ist zwar etwas her, aber ich war fast 10 Jahre im Gesundheitswesen tätig) und mich das sehr geprägt hat. Man sieht einfach viel, was einen mitnimmt. Gleichzeitig wäre vieles davon vermeidbar, würden wir uns alle etwas besser um uns kümmern.
Analoges erlebt man dann ja innerhalb der Familie. Bei den Eltern, die nun auch älter geworden sind und das eine oder andere Leiden haben.
Andererseits kenne ich ebenso genug Beispiele, in denen die Personen ein völlig gesundes, nahezu asketisches Leben geführt haben und am Ende trotzdem irgendwelche Mist-Krankheiten bekommen haben.
Ich hoffte somit, dass mein Blutdruck positiv auf das Fasten reagieren würde und dass auch weitere Teile des beteiligten Stoffwechsel-, Flüssigkeits- und Hormonsystems positiv reagieren würden.
Endocrine Society: Nebennierenhormone und Blutdruck
Was beim längeren Fasten im Körper passiert – und was wir noch nicht wissen
Ketose: Der Körper wechselt die Energiequelle
Wenn die leicht verfügbaren Kohlenhydratspeicher abnehmen, steigt die Bildung von Ketonkörpern und der Körper greift stärker auf gespeicherte Energie zurück. Der genaue zeitliche Verlauf ist individuell und hängt unter anderem von den Speichern, der vorherigen Ernährung, Bewegung und Stoffwechsellage ab. Einen universellen Schalter, der bei allen Menschen nach exakt drei oder vier Tagen umgelegt wird, gibt es nicht.
In einer Übersichtsarbeit zu Humanstudien stiegen die Ketone während fünf- bis zwanzigtägiger Fastenphasen deutlich. Gleichzeitig waren die Studien klein und die Protokolle sehr unterschiedlich. Das reicht für die Aussage, dass sich der Stoffwechsel umstellt – aber nicht für ein pauschales Heilversprechen.
Narrative Übersichtsarbeit, Nutrition Reviews 2024
Autophagie: Warum häufig von Tag 4 gesprochen wird
Autophagie ist vereinfacht gesagt ein zelluläres Recycling- und Aufräumsystem. In dem von mir gelesenen Fastenmodell wird Tag 4 als der Zeitpunkt beschrieben, ab dem dieser Prozess stärker in den Vordergrund rückt. Als allgemeingültige biologische Grenze lässt sich „ab Tag 4“ beim Menschen bisher aber nicht sicher belegen. Gemeint ist eine Übergangsphase, keine Stoppuhr, die bei jedem Körper zur selben Minute abläuft.
Neuere Humanstudien zu zeitlich begrenztem Essen oder einer scheinfastenden Ernährung liefern erste Hinweise auf veränderte Autophagie-Marker. In einer Pilotstudie zur scheinfastenden Ernährung wurde beispielsweise an Tag 4 und Tag 6 gemessen.
Pilotstudie 2025 und Bensalem et al. 2025
Gewicht: schnell weniger, aber nicht nur Fett
Die Zahl auf der Waage verändert sich beim längeren Fasten schnell. Neben Fett spielen Wasser, geleerte Glykogenspeicher, Darminhalt und fettfreie Masse eine Rolle.
In einer Übersichtsarbeit lagen die Gewichtsverluste bei fünf- bis zwanzigtägigem Fasten zwischen etwa 2 und 10 % des Ausgangsgewichts. In den ausgewerteten Studien entfiel ein erheblicher Anteil der gemessenen Abnahme auf fettfreie Masse.
Narrative Übersichtsarbeit 2024
Bei mir war es am Ende rund sieben Kilogramm weniger auf der Waage. Ein Teil davon kam beim Essen und mit normalisiertem Flüssigkeitshaushalt erwartbar zurück.

Auch die Anzeige meiner Körperanalysewaage veränderte sich. Erst zeigte sie weniger Muskelmasse, danach gab es einen Sprung und der Wert der gestiegenen Muskelmasse liegt auch seitdem höher.

Der Screenshot zeigt genau den Verlauf vom 22.06.26 bis zum 02.07.26. Mit der Fettmasse verhielt es sich genau umgekehrt.
Natürlich dürfen wir die exakten Prozentwerte nicht wie eine präzise Laboranalyse lesen. Trotzdem fand ich gerade diesen Effekt sehr spannend, weil es mir nach einer Woche täglich besser ging und ich mich fitter fühlte.
Studie zur Messgenauigkeit bei schnellem Gewichtsverlust
Blutdruck: eine mögliche Veränderung, keine Ursachenklärung
In Studien sinken systolische und diastolische Blutdruckwerte während längerer Fastenphasen häufig. Dafür können mehrere Faktoren gleichzeitig verantwortlich sein: weniger Energie und Salz, Gewichts- und Flüssigkeitsverlust sowie Veränderungen im Gefäß- und Stoffwechselsystem. Ob der Effekt anhält, ist viel weniger gut geklärt.
Narrative Übersichtsarbeit 2024
Mein Wert von 105/60 an Tag 11 ist deshalb eine persönliche Momentaufnahme. Dass der untere Wert drei Monate später noch unter 90 lag, ist für mich relevant und war mein ursprüngliches Ziel.
Dass ich mit meiner Beobachtung nicht alleine bin, zeigt auch eine neuere, allerdings sehr kleine Studie: 29 Menschen mit Bluthochdruck fasteten in einem spezialisierten Zentrum im Median elf Tage und bauten anschließend mit pflanzlicher Kost wieder auf. Am Ende lag der mittlere Blutdruck unter 130/80 mmHg; die Verbesserungen hielten in der Nachbeobachtung mindestens sechs Wochen an. Weil es keine Kontrollgruppe gab, ist das kein Beweis für dieselbe Wirkung zu Hause – aber ein positiver Ansatz für weitere Forschung.
Klinische Studie zu Wasserfasten und Bluthochdruck, 2024
Leber, Bauchspeicheldrüse und „Entgiftung“
Während des Fastens verändert sich der Fett- und Zuckerstoffwechsel. Daraus darf man aber nicht ableiten, ein zehntägiges Fasten heile Diabetes. Gerade bei Diabetes Typ 1 kann längeres Fasten riskant sein und sollte medizinisch begleitet werden.
Trotzdem steckt hinter dem Interesse an Leber und Bauchspeicheldrüse ein echter, messbarer Zusammenhang: In Studien mit stark energiereduzierter Ernährung sank bei Menschen mit Typ-2-Diabetes das Fett in Leber und Bauchspeicheldrüse; gleichzeitig verbesserten sich Leber-Insulinempfindlichkeit und Betazellfunktion.
Eine randomisierte Studie zeigte 2025 außerdem, dass wiederholte scheinfastende Phasen das Leberfett über zwölf Monate stärker senkten als die übliche Versorgung allein. Das ist nicht dasselbe wie unser zehntägiges Wasserfasten, zeigt aber: Organfett ist veränderbar, und eine konsequente Ernährungs- und Lebensstiländerung kann medizinisch relevant sein.
Studie zu Leber- und Pankreasfett · Studie zur scheinfastenden Ernährung und Leberfett
Warum Bauch- und Leberfett eine besondere Rolle spielen:
Fettgewebe ist nicht bloß ein Speicher, sondern setzt Botenstoffe frei. Vor allem viszerales Fett im Bauchraum und Fett in Organen wie Leber und Bauchspeicheldrüse stehen mit Insulinresistenz und einem höheren Stoffwechselrisiko in Verbindung. Eine Fettleber entsteht keineswegs nur durch Alkohol. Entscheidend ist aber: Leberfett kann wieder abnehmen – durch eine ausreichend große negative Energiebilanz, Gewichtsverlust und dauerhaft veränderte Lebensgewohnheiten. Fasten kann dafür ein Weg sein, ist aber nicht der einzige.
Ist längeres Fasten für gesunde Menschen grundsätzlich schädlich?
Die vorhandenen Daten sprechen nicht dafür, dass medizinisch ausgewählte gesunde Erwachsene durch eine begrenzte Fastenphase automatisch Schaden nehmen. In einer großen Aktenauswertung aus einem spezialisierten Zentrum waren die meisten dokumentierten Begleiterscheinungen mild bis moderat. Es gab jedoch auch schwerere Ereignisse.
Auswertung von 768 begleiteten Fastenaufenthalten
Meine Vorbereitung
Ich hatte das Buch gelesen, einen Zeitraum festgelegt und eingekauft für danach. Wir planten Bewegung ein, wollten Stress möglichst klein halten und rechneten mit Hunger, Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit und Frieren.
Welche Begleiterscheinungen können auftreten?
Vor allem zu Beginn sind Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Frieren, Antriebslosigkeit, ein veränderter Geschmack, Mund- oder Körpergeruch sowie Verdauungs- und Hautveränderungen möglich. Später können nach schnellem Gewichtsverlust auch Zyklus- oder Haarveränderungen auffallen.
Mein Fastentagebuch: zehn (fast 11) Tage ohne feste Nahrung

Tag 1 – alles wie immer
Etwas Hunger war da, aber ich fühlte mich noch gut versorgt. Abends wurde Essen gedanklich präsenter, auch das Hungergefühl. Wir hatten uns die Tage davor zwar schon etwas zurückgenommen mit dem Essen, eine Darmentleerung, wie es Prof. Schwarz in seinem Buch empfiehlt, aber nicht durchgeführt. Dabei war es natürlich nicht hilfreich, sich Koch- und Rezeptvideos auf Instagram bzw. YouTube anzuschauen, aber irgendwie brauchte ich genau das (anscheinend) für weitere Inspiration oder Motivation 🙂
Tag 2 – Essen übernimmt den Kopf
Ich hatte den ganzen Tag starken Hunger. Gefühlt drehte sich alles darum, was ich wann wieder essen möchte, wenn das Fasten vorbei ist.
Morgens gab es dann die ersten Nebenwirkungen in Form eines schwachen Kreislaufes. Mia hatte zu dem Zeitpunkt ja ganz normal Schule, also war erst mal ruhig aufzustehen und hochzufahren keine Option.
Abhilfe schufen zwei Tassen Schwarztee und immer wieder kurzes Hinsetzen.
War Mia dann in der Schule, sind Michi und ich mit Mavi zu unserer morgendlichen Gassi-Runde raus. Wir haben die Runde so gewählt, dass wir
im Rahmen des Spaziergangs gleich auf das Minimum von 10.000 Schritten gekommen sind (laut dem Buch von Prof. Schwarz das Mindeste, um den Kreislauf stabil zu halten und muskulär nicht zu sehr abzubauen).
Gleichzeitig aber war ich erstaunlich produktiv und motiviert. Weil Einkaufen, Kochen und Essen komplett wegfielen, floss viel Energie in die Arbeit.
Körperlich und gedanklich waren das zwei sehr unterschiedliche Seiten desselben Tages.
Tag 3 – Bewegung tat gut
Auch an Tag 3 begann der Morgen mit schwarzem Tee. Die lange Gassi-Runde tat gut, jedoch merkten wir, dass wir langsamer unterwegs waren.
Der starke Hunger vom Vortag war nicht mehr ganz so dominant, der Körper aber noch deutlich mit der Umstellung beschäftigt.
Tag 4 – der schwerste Tag
Tag 4 war anstrengend. Ich hatte kaum Motivation und wenig Energie zum Nachdenken. Viel mehr als Netflix und Co. ging an diesem Tag zeitweise nicht.
Die Waage zeigte inzwischen etwa 3 kg weniger. Für die Bewegung wählten wir nach diesem Tag nur noch unsere Runde mit zwei moderaten Anstiegen. Etwas Abwechslung wäre zwar schön gewesen, aber alles über dem moderaten Anstieg war kräftemäßig einfach nicht drin.
Zusammen mit der Hausarbeit kamen trotzdem gute 10.000 Schritte zusammen.
Tag 5 – Kreislauf, Muskeln und Wasserüberdruss
Morgens war der Kreislauf noch immer schwierig schwarzer Tee half mir nach wie vor erst mal in die Gänge zu kommen.
Zusätzlich meldeten sich Waden, Rücken und Oberarme. Die schmerzten wie bei einer Grippe und der Spaziergang war wirklich anstrengend.
Michi machte leider den Fehler, der Anstrengung und Müdigkeit zu viel nachzugeben. So wurde aus dem Nickerchen eine viel zu lange Schlafsession, nach der anschließend erst recht keine Energie mehr vorhanden war.
Am überraschendsten an Tag 5 war aber, wie schwer es mir fiel, Wasser zu trinken. Diese vier Liter runterzubekommen, war heute fast nicht möglich. Nicht, weil ich keinen Durst hatte – ich konnte den Geschmack einfach kaum noch ertragen. Nachgeholfen habe ich dann mit Kräuter- oder Grüntee. Durch den anderen Geschmack ging es dann.
Tag 6 – zum ersten Mal richtig gut geschlafen
An Tag 6 habe ich dann zum ersten Mal auch positive Unterschiede bemerkt.
Ich schlief in dieser Nacht endlich mal wieder richtig gut. Die morgendlichen Kreislaufprobleme waren verschwunden, kein Schwarztee nötig.
Die Beine waren zwar schlapp, ansonsten fühlte ich mich aber richtig gut, motiviert und gut gelaunt.
Das Hungergefühl, das seit Tag 4 stetig abnahm, war heute gänzlich verschwunden. Das empfand ich nicht als unangenehm, sondern fast befreiend: Wenn Essen in den Hintergrund rückt, entsteht tatsächlich erstaunlich viel Zeit.
Heute war auch meine Zunge deutlich belegt. Das war nicht schön anzusehen, aber laut Lektüre ja ein möglicher Nebeneffekt.
Tag 7 – der Körper fühlt sich anders an
Insgesamt ging es mir gut. Der Belag auf der Zunge wurde etwas besser, der Geschmack von Wasser blieb grenzwertig, also blieb ich bei größeren Mengen Tee.
Positiv aufgefallen ist mir, dass sich meine Haut nun weicher anfühlte.
Auch mit dem Gewicht ging es weiter nach unten – minus 5 kg ungefähr.
Weniger toll fand ich, dass neben Fett- auch die Muskelmasse weniger wurde. Wir achteten ja penibel darauf, jeden Tag mindestens unser Schrittziel zu erreichen. Jetzt im Nachhinein bzw. fürs nächste Mal möchte ich gerne etwas aktiver sein als nur das, was gerade so nötig ist und auch schon sportlicher starten.
Tag 8 – im Alltag okay, bei Anstrengung nicht
Mein Allgemeinzustand wurde immer besser, zu viel Anstrengung machte dem Körper jedoch weiterhin zu schaffen.
Die Waage zeigte inzwischen rund 6 kg weniger. Darüber freut man sich natürlich. Auch sah man es deutlich im Gesicht, auch, dass die Haut in irgendeiner Form von dem vielen Wasser profitierte.
Am Rücken hatte ich hingegen immer noch viele kleine Pickelchen, die sich seit dem 5. Tag vermehrt zeigten.
In dem Buch von Prof. Schwarz steht, dass, wenn der Darm im Rahmen des Stoffwechsels wegfällt, unter anderem auch die Haut Aufgaben übernimmt. Denn auch ohne Nahrungsaufnahme arbeitet der Körper ja weiterhin.
Außerdem fiel mir auf, dass die Haare scheinbar langsamer wuchsen. Morgens bei der üblichen Badroutine, wenn man sich als Frau die Beine macht. Normalerweise hat man da ja jeden Tag zu tun. Ab Tag 8 wuchsen die neuen Stoppeln langsamer und feiner – rasieren/Zeit gespart 🙂
Michi beendete das Fasten heute. Sein Kreislauf kam im Laufe des Tages einfach nicht mehr in Gang und er tat sich ebenfalls sehr schwer mit dem reinen Wassertrinken. Auch die anhaltenden hohen Temperaturen mit über 35 Grad trugen dazu sicher ihren Teil bei.
Tag 9 – stabiler, aber früh müde
Es wurde zunehmend leichter. Die Wadenschmerzen der letzten Tage waren weg, der Kreislauf immer noch stabil und ich fühlte mich tagsüber fitter als am Tag zuvor.
Die Zunge war noch immer belegt.
An diesem Tag zeigte die Waage keine weitere Abnahme. Wasser störte mich plötzlich weniger und ich konnte es wieder besser trinken.
Von dem Frieren, das während des Fastens auftreten kann, merkten wir nichts, weil wir uns in den heißesten Wochen des Jahres befanden. Dafür war ich schon am frühen Abend sehr müde – statt wie üblich um 21:30 Uhr bin ich am neunten Tag sogar schon um 19 Uhr ins Bett.
Tag 10 – geschafft und trotzdem erschöpft
Ich hatte die zehn Tage geschafft und hatte sogar das Gefühl, noch weitermachen zu können. Essen fehlte mir gar nicht mehr, auch nicht mental, aber auch nicht, weil ich es irgendwie als etwas Negatives sah. Es war einfach jetzt gerade nicht wichtig.
Erschöpft war ich zwar, aber ich fühlte mich körperlich ansonsten sehr gut.
Auf der Waage standen rund 7 kg weniger. Die Körperanalyse zeigte heute plötzlich eine Muskelmasse 3 % über dem Ausgangswert. Das war überraschend, bestätigte mich aber, dass etwas passierte und wie ich mich fühlte.
Tag 11 – das erste Essen
Vor dem ersten Essen zeigte die Waage gute 7,5 kg weniger. Wirklichen Hunger hatte ich noch immer nicht und das sollte so auch noch einige Tage bleiben. Mein Blutdruck lag bei 105/60. Körpergeruch und Hautgefühl hatten sich verändert (zumindest Michi nahm das so wahr).
Ich begann an Tag 11 mit ungefähr 800 kcal und startete anschließend unsere siebentägige Aufbauphase. Der erste warme Mandeldrink am Morgen fühlte sich fantastisch an.
Schon bei der anschließenden Runde mit den Anstiegen, die wir nun 10 Tage gemieden hatten, hatte ich das Gefühl, dort fast hochzufliegen. Eine Mischung daraus, leichter zu sein und sich leichter zu fühlen.
Wasserfasten vorbereiten und durchführen: unsere praktische Anleitung
Diesen Ablauf haben wir ebenfalls aus dem Buch von Prof. Schwarz übernommen.
1. Dauer vorher festlegen
Unser Plan waren die vollen 14 Tage, um einfach den maximalen Effekt zu haben. Dazu kommen Vorbereitungs- und Aufbautage. Einige Tage vorher die Kalorienzufuhr bereits etwas zu drosseln, kann helfen, nicht mit allzu großem Hunger zu starten. Die Aufbautage danach hingegen sind wichtig, um den leeren Magen bzw. Darm erst einmal wieder an feste Nahrung heranzuführen.
Bei mir sind es leider nur 11 Tage geworden, da Michi bereits am 8. Tag abbrechen musste und ich die Aufbautage mit ihm gemeinsam machen wollte.
2. Einen realistischen Zeitpunkt wählen
Eine ruhige Woche, ausreichend Schlaf und möglichst wenig zusätzlicher Stress helfen. Extreme Hitze würde ich nach unserer Erfahrung nicht noch einmal wählen.
Menschen im Umfeld einzuweihen, schafft Rückhalt und verhindert, dass jede gemeinsame Situation plötzlich ums Essen kreist.
Bei Frauen kann es sinnvoll sein, die Fastenphase so zu legen, dass sie sich körperlich stabil fühlen, also nicht gerade auch noch mit ihrem monatlichen Zyklus zu kämpfen haben.
3. Mit Entlastungstagen beginnen
Zwei bis drei Tage mit leichter, überwiegend pflanzlicher Kost machen den Übergang einfacher: zum Beispiel Gemüse, Obst, Reis und einfache, wenig verarbeitete Gerichte, aber keine Königsportionen.
Alkohol fällt weg, Koffein kann schrittweise reduziert werden.
Lebensmittel für die ersten Aufbautage kauft man am besten vorher ein – hungrig planen und einkaufen ist unnötig schwer.
4. Darmentleerung bewusst entscheiden
Prof. Schwarz empfiehlt zu Beginn eine Darmentleerung; auch beim Buchinger-Heilfasten gehört sie klassisch zum Ablauf.
Wir haben darauf verzichtet, weil wir – ganz einfach – keine Lust hatten.
Ein leerer Darm kann das Hungergefühl subjektiv erleichtern. Abführmittel und Glaubersalz sind aber nun mal nicht für jeden passend.
5. Trinken planen
Ein Wassertracker half mir, regelmäßig zu trinken. In Wasserfasten-Studien werden häufig ungefähr 2–3 Liter am Tag genannt. Unsere 4 Liter stammten aus dem von uns gewählten Konzept.
Außerdem wird hier empfohlen, pro Tag eine Prise Salz in einem Glas Wasser aufzulösen, um den Elektrolythaushalt stabil zu halten.
Michi nahm es mit der Menge Wasser und auch der Prise Salz nicht so genau. Ob er sich deshalb nicht so gut fühlte und das Fasten deshalb vorzeitig beendete, wissen wir natürlich nicht sicher.
Ich habe mich einfach an die Empfehlung aus dem Buch gehalten und bin damit gut gefahren.
6. In Bewegung bleiben
Auch hier haben wir einfach die Empfehlung genommen: Minimum 10.000 Schritte pro Tag. Abgesehen davon ist tägliche Bewegung ja sowieso nichts Schlechtes – auch wenn man nicht fastet.
Die Tage wären einfacher gewesen, hätten wir sie einfach ausgesessen oder durchgeschlafen. Laut Prof. Schwarz führt aber genau das dann dazu, dass mehr Muskelmasse abgebaut wird als nötig – und genau die möchte man ja eigentlich behalten.
Wer fit genug ist, kann sich noch aktiver betätigen: Yoga oder einfache Muskelübungen.
Aber da sollte man gut auf seinen Körper hören, was möglich ist und was nicht.
7. Verlauf dokumentieren und Warnzeichen ernst nehmen
Ein kurzes Tagebuch zu Trinkmenge, Kreislauf, Schlaf, Stimmung, Blutdruck und besonderen Beschwerden macht Veränderungen sichtbar.
Wer Laborwerte vergleichen möchte, sollte den Zeitpunkt mit der Ärztin oder dem Arzt abstimmen.
Bei akuten anhaltenden Beschwerden sollte man sofort einen Arzt kontaktieren.
8. Das Fastenbrechen planen
Der erste Esstag sollte stressfrei sein und Freude machen!
Trotzdem gehören kleine Portionen, langsames Essen und mehrere Aufbautage zum Fasten dazu. Deshalb stehen die Lebensmittel und unser Sieben-Tage-Plan schon bereit, bevor die eigentliche Fastenphase beginnt.
Was ist während des Fastens erlaubt?
Strenges „water-only fasting“ bedeutet tatsächlich nur Wasser. Wir folgten dem Buchmodell und tranken zusätzlich ungesüßten schwarzen und grünen Tee sowie Kräutertee; dort war auch ein Espresso am Tag vorgesehen.
Gegen den unangenehmen Geschmack im Mund können Zähne- und Zungenpflege sowie ayurvedisches Ölziehen helfen.
Was unterbricht das kalorienfreie Fasten?
Zucker, Honig, Milch, Pflanzendrinks, Saft und andere kalorienhaltige Zusätze beenden das vollständig kalorienfreie Fasten.
Fastenbrechen und Aufbaukost: Genauso wichtig wie das Fasten
Nach mehr als fünf Tagen ohne Nahrung sollte der Wiedereinstieg nicht wie ein normales Festessen aussehen. Leitlinien zur Ernährungstherapie empfehlen nach längerer, sehr geringer oder fehlender Nahrungsaufnahme einen vorsichtigen Aufbau.
Unsere sieben Tage sind deshalb mein dokumentierter Speiseplan nach diesem Fasten, keine medizinische Anleitung.
Nach Prof. Schwarz und unseren bisherigen Lektüren zum Fasten beginnt die Aufbauphase langsam und steigert die Energiemenge schrittweise. Magen und Darm brauchen nach der Pause Zeit.
Mir ging es außerdem darum, dem Darm und seinem Mikrobiom einen möglichst guten Neustart zu geben. Deshalb planten wir viel leichtes Gemüse und ausreichend Eiweiß für die Muskeln ein. Tierisches Eiweiß kam bei uns nur in Form von Käse vor – das ist unsere persönliche Präferenz; mageres Hühnchen wäre für andere ebenso denkbar.
Bei mir funktionierte gedünstetes Gemüse zunächst besser als Rohkost oder schwere Gerichte. Ich hörte auf, sobald der Appetit nachließ und der Punkt war einige Tage lang sehr schnell erreicht, auch wenn der Teller noch nicht leer war.
Zwiebeln, Hülsenfrüchte und Kaffee blieben ungefähr zwei Wochen etwas anstrengender für die Verdauung. So hatte ich zwar nie Durchfall, aber ich merkte, dass Magen und Darm sich damit noch schwertaten.
Michi hatte einen Flammkuchen mit Münsterkäse am fünften Tag nach dem Fasten – das war eindeutig zu früh und bekam ihm nicht gut.
Unsere sieben Aufbautage – mit Link zum jeweiligen Rezept

1. Tag: vorsichtiger Start mit etwa 800 kcal
2. Tag: ungefähr 1.000 kcal und etwas mehr Eiweiß
3. Tag: ungefähr 1.200 kcal und schrittweise mehr Vielfalt
4. Tag: ungefähr 1.400 kcal und alltagstauglichere Mahlzeiten
5. Tag: ungefähr 1.600 kcal und vorsichtige Rückkehr zum Genuss
6. Tag: ungefähr 1.800 kcal und Rückkehr in den Alltag
7. Tag: ungefähr 1.800 kcal oder mehr und Abschluss der dokumentierten Woche
Zwei Monate später: Was geblieben ist
Der erste Zyklus nach dem Fasten war deutlich durcheinander: länger und stärker als sonst, dazu kamen Hautprobleme. Ob das Fasten allein die Ursache war, kann ich nicht sagen. Eine sehr niedrige Energieverfügbarkeit kann den Zyklus beeinflussen, ebenso das Alter und andere Umstände – jede Frau weiß das.
Auch meine Haare veränderten sich später und ich merkte, dass deutlich mehr davon ausfielen. Das ist etwas beängstigend, aber da ich davon gelesen hatte und eben auch nicht wusste, welche Rolle der Zyklus gerade dabei spielte, machte ich mir erst einmal keine Sorgen.
Nachtrag: Nach nun 3 Monaten nach dem Fasten sind Zyklus und Haarverhalten wieder wie zuvor.
Mein Blutdruck blieb nach dem Fasten zunächst insgesamt eher niedrig. Mit der Normalisierung des Gewichts passte sich der obere Wert wieder an.
Der untere Wert blieb bislang unter 90 – genau das hatte ich mir erhofft. Trotzdem werde ich meine Nieren- und Nebennieren mit Blutdruckverlauf im Auge behalten.
Nachtrag: Auch mein unterer Blutdruckwert ist nach nun 3 Monaten immer noch im gewünschten Bereich unter 90.
Mit Joggen und richtigem Sport wartete ich ungefähr eine Woche. Nicht, weil man das soll, aber ich brauchte nach dem Fasten erst einmal eine Art Pause.
So gut ich mich fühlte, für ausgiebigen Sport reichte es nicht. Bis dahin blieb es bei den üblichen, allmählich wieder längeren Gassi-Runden. Es waren außerdem die heißesten Wochen des Jahres. Auch deshalb fehlte mir die Lust auf zusätzliche Belastung.
Nachtrag: Nach der einen Woche habe ich wieder angefangen, jeden zweiten Tag zu joggen.
So hart der Anfang nach einer Pause immer ist, so positiv haben sich Blutdruck, Puls, VO2max-Wert, Geschwindigkeit, Ruheherzfrequenz, etc. inzwischen verändert – wie gesagt: meine persönliche Erfahrung.

Mein ehrliches Fazit
Ich würde und ich werde wieder fasten. Nicht weil zehn Tage automatisch Krankheiten heilen und auch nicht, weil die Zahl auf der Waage so schnell gefallen ist. Mich hat beeindruckt, wie sehr sich Hunger, Gewohnheit, Geschmack, Tagesstruktur und das Gefühl für Essen verändern können.
Diese extreme Körpererfahrung und das anhaltende gute Körpergefühl danach haben mich wirklich beeindruckt und tun es noch. Zudem war ich schon immer Fan davon, im Rahmen guter Ernährung mir und meiner Gesundheit etwas Gutes zu tun.
Ich achte zum Beispiel beim Einkaufen sehr darauf, was wir kaufen, wie wir zu Hause damit kochen und ich muss leider sagen, dass durch diese Fastenerfahrung ein Gang durch den Supermarkt, mit all dem überflüssigen Kram, den man dort kaufen kann, nochmal ein ganz anderer geworden ist.
So sehe ich zwar keinen Anlass, nun völlig zur Veganerin zu konvertieren, aber es gibt jetzt eine Latte Lebensmittel mehr, die ich einfach nicht mehr kaufen kann, weil sich daran irgendwas nicht gut anfühlt.
Auch wenn das Fasten eine weniger angenehme Seite hatte: Kreislaufprobleme, Erschöpfung, unangenehmer Wassergeschmack, Muskelbeschwerden, der veränderte Zyklus und die späteren Haarprobleme, überwiegt für mich die positive Erfahrung dabei und danach.
Allein zu sehen wie viel Einfluss ein verändertes Essverhalten und das Gewicht auf meinen Blutdruck hatten.
Wie eingangs erzählt, bin ich geprägt durch einige Jahre Arbeit mit älteren, aber auch jüngeren Menschen, bei denen eine ungesunde Ernährung, zu viel Gewicht, kein Sport zu hohem Blutdruck, Diabetes und später Herzinfarkten und Schlaganfällen geführt hat. Diese Wertung klingt jetzt sehr salopp, vereinfacht und verallgemeinert daher gesagt – aber genau darauf will ich hinaus: Es braucht gar nicht so viel, um seinem Körper etwas Gutes zu tun.
Für mich steht fest, dass ich wieder fasten werde – beim nächsten Mal dann auch die zwei Wochen.
Weil ich es diesmal einfach zu Ende bringen will. Ich möchte dafür eine kühlere Jahreszeit wählen, vorher besser im Training sein und mit mehr Muskelmasse starten, damit die nicht ganz so sehr leidet wie diesmal.
Ob und wie viel Leberfett ich persönlich verloren habe, lässt sich ohne eine passende Untersuchung natürlich nicht messen. Als Ziel und möglicher gesundheitlicher Gewinn bleibt genau dieser Gedanke für mich trotzdem ein wichtiger Teil der Motivation.
Wenn dieser 10- bzw. 14-tägige Reset nicht nur überflüssiges Fett an der Leber beseitigt, sondern sich auch positiv auf die weitere Gesundheit auswirkt – und wenn ich es nur subjektiv behaupten kann – ist es mir das wert.
Weitere persönliche Projekte, Erfahrungen und Einblicke in unseren Alltag sammeln wir auf unserer Seite Wir & der Schwarzwald.
Häufige Fragen zum Wasserfasten
Warum soll man beim Fasten so viel trinken – reichen zwei Liter nicht?
Beim Essen nehmen wir normalerweise ebenfalls Wasser auf; dieser Anteil fällt beim Wasserfasten weg. Außerdem können Ketose, Bewegung und Hitze den Flüssigkeitsbedarf verändern. Zwei Liter können deshalb für manche Menschen knapp sein, vier Liter sind aber ebenfalls keine Pflicht, sondern nur eine Empfehlung.
Wie viele Tage sollte man mit Wasser fasten?
Darauf gibt es keine Zahl, die für alle passt. Unser Versuch dauerte zehn Tage. Wer erstmals länger fasten möchte, Vorerkrankungen hat oder Medikamente nimmt, sollte Dauer und Kontrolle vorher medizinisch klären.
Warum darf kein Löffel Zucker oder Honig in den Tee?
Weil Zucker und Honig Energie liefern. Damit ist es kein vollständig kalorienfreies Fasten mehr, und Insulin- sowie Ketonkörperreaktionen können sich verändern.
Ist Wasserfasten dasselbe wie Heilfasten?
Nein. Beim reinen Wasserfasten werden keine Kalorien aufgenommen. Buchinger-Heilfasten enthält meist kleine Mengen Brühe, Saft und Honig und liegt laut DGE typischerweise bei 250 bis 500 kcal am Tag.
Zählt ungesüßter Tee noch als Wasserfasten?
Im alltäglichen Sprachgebrauch wird kalorienfreier Tee häufig mitgemeint, also Kräuter-/Grün-/Schwarztee. In streng definierten Wasser-only-Studien ist dagegen nur Wasser vorgesehen.
Was passiert beim Fasten im Körper?
Zunächst verbraucht der Körper einen Teil seiner verfügbaren Glukose- und Glykogenspeicher. Mit sinkendem Insulin und steigendem Glukagon greift er stärker auf gespeichertes Fett zurück; die Leber bildet daraus Ketonkörper als alternative Energiequelle. Diese Umstellung beginnt schrittweise und ist nicht erst an einem einzigen festen Tag plötzlich abgeschlossen.
Wann beginnt beim Fasten die Ketose?
Der Übergang verläuft schrittweise und individuell. Ernährung, Glykogenspeicher, Bewegung und Stoffwechsellage spielen eine Rolle. Eine für alle Menschen gültige exakte Stunde oder ein fester Tag lässt sich nicht seriös nennen.
Beginnt die Autophagie an Tag 4?
Tag 4 wird in Fastenmodellen und auch in dem von mir gelesenen Buch als wichtige Schwelle genannt. Direkte Humanforschung kann bislang aber keinen für alle Menschen identischen Starttag festlegen. Eine kleine Studie zeigte ab Tag 3 deutliche Veränderungen vieler Plasmaproteine; andere Studien untersuchten Autophagie-Marker erst an ausgewählten späteren Tagen. Proteinveränderung, Ketose und direkt gemessene Autophagie sind außerdem nicht dasselbe.
Wie viel nimmt man in zehn Tagen Wasserfasten ab?
Das ist individuell. Die Waage misst nicht nur Fett, sondern auch Wasser, Glykogen, Darminhalt und Veränderungen der fettfreien Masse. Meine etwa 7 bis 7,5 Kilogramm weniger dürfen daher nicht als reiner Fettverlust verstanden werden.
Ist das Abführen vor dem Wasserfasten nötig?
Es gehört zu einigen Fastenkonzepten und kann den Einstieg sowie das Hungergefühl subjektiv erleichtern. Für das Entstehen der Ketose ist ein vollständig entleerter Darm jedoch keine Voraussetzung. Wer Abführmittel einsetzen möchte, sollte vorher prüfen, ob sie zur eigenen Gesundheit und zu den eingenommenen Medikamenten passen.
Kann Wasserfasten den Blutdruck senken?
In kleinen Studien sanken Blutdruckwerte während längerer Fastenphasen häufig. Wie viel davon durch Flüssigkeit, Salzverzicht, Gewichtsverlust oder andere Stoffwechselveränderungen entsteht und wie lange der Effekt anhält, ist nicht ausreichend geklärt. Medikamente dürfen deshalb niemals ohne Rücksprache mit einem Arzt abgesetzt werden.
Wer sollte nicht auf eigene Faust länger fasten?
Unter anderem Kinder und Jugendliche, Schwangere und Stillende, Menschen mit Essstörungen oder entsprechender Vorgeschichte, Menschen mit fortgeschrittenen Leber- oder Nierenerkrankungen sowie bestimmte Menschen mit Diabetes, psychischen oder schweren akuten Erkrankungen benötigen klare medizinische Abklärung; bei einigen Gruppen ist längeres Fasten nicht geeignet. Auch nach Operationen, schweren Erkrankungen oder bei Medikamenteneinnahme ist eine individuelle Beurteilung nötig.
Warum ist die Aufbauphase so wichtig?
Nach längerer Nahrungspause müssen Verdauung und Stoffwechsel wieder auf regelmäßige Zufuhr umstellen. Zu schnelles oder unpassendes Essen kann Beschwerden verursachen.
Wann sollte man ein Fasten abbrechen oder Hilfe holen?
Ohnmacht, Verwirrtheit, anhaltendes Erbrechen, starke Kreislaufprobleme, Brustschmerz, auffälliger Herzschlag, Atemnot oder die Unfähigkeit, ausreichend Flüssigkeit bei sich zu behalten, sind keine normalen „Durchhaltezeichen“. Dann sollte das Fasten beendet und medizinische Hilfe gesucht werden.
Transparenz und Quellen
Ausgangspunkt meiner Entscheidung war das Buch Wasserfasten von Prof. Dr. Peter Schwarz, DuMont 2026, ISBN 978-3-7558-0080-4.
Die im Beitrag genannten Wirkungen wurden nicht ungeprüft aus dem Buch übernommen, sondern mit aktuellen Fachquellen abgeglichen.
Für die fachliche Einordnung verwendet, zuletzt geprüft: September 2026
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Heilfasten
- Ezpeleta et al.: Efficacy and safety of prolonged water fasting, Nutrition Reviews 2024
- Pietzner et al.: sieben Tage Wasserfasten und Veränderungen des Plasmaproteoms, Nature Metabolism 2024
- Bensalem et al.: explorative Humanstudie zu Intervallfasten und Autophagie, 2025
- Pilotstudie zu scheinfastender Ernährung und Autophagie-Markern, 2025
- Auswertung zur Sicherheit medizinisch begleiteten Wasserfastens
- Endocrine Society: Nebennierenhormone und Blutdruck
- NICE: Empfehlungen zur vorsichtigen Wiederernährung und zum Refeeding-Risiko
- KDIGO 2024: Leitlinie zur Beurteilung der Nierenfunktion
- Studie zu Wasserfasten und vorübergehenden Veränderungen von Nierenwerten
- Studie zur eingeschränkten Genauigkeit der Bioimpedanz bei schnellem Gewichtsverlust
- Kang et al.: Telogeneffluvium nach Gewichtsverlust, 2024
- Fastenregister des Universitätsklinikums Dresden
- Verbraucherzentrale: richtig fasten und langsam wieder einsteigen
- Meta-Analyse zu Bauchumfang und Sterblichkeit, 2020
- Klinische Studie zu Wasserfasten, Aufbaukost und Bluthochdruck, 2024
- Studie zu energiereduzierter Ernährung, Leber- und Pankreasfett bei Typ-2-Diabetes
- Randomisierte Studie zu scheinfastender Ernährung und Leberfett, 2025
- Sieben Tage Wasserfasten und Veränderungen des Darmmikrobioms, 2023
- Norwegische Fasten- und Ernährungsstudie bei rheumatoider Arthritis, 1991
- Neuere Fasten- und Ernährungsstudie bei rheumatoider Arthritis, 2022