Einführung
An einem schönen Frühlings-Samstag, mal ohne angesagten Regen, Wind und wirklich vielen Stunden Sonne, hatten wir Lust auf eine Wanderung mit Aussicht.
Im Wald war es aktuell doch noch etwas frisch (wir waren ja ohnehin mit Mavi jeden Tag irgendwo im Wald unterwegs) und etwas weiter oben ist man ja auch der Sonne ja etwas näher.
Die Wahl fiel auf den Brandenkopf-Gipfel. Er gehört mit 945 Metern Höhe zu den höchsten Bergen des Mittleren Schwarzwalds und liegt markant zwischen dem Kinzig-, Harmersbach- und Wolftal.
Seine Lage soll einen außergewöhnlich weiten Rundumblick ermöglichen.
Für Mavi sollte das ihre erste längere Tour sein – Generalprobe also, ob man mit ihr wirklich wandern konnte.
Die Hinfahrt führte uns durchs hübsche Zell am Harmersbach (Städte-Guide und Tellerweise-Beiträge dazu folgen!), vorbei an großen Höfen, grünen Wiesen und nach einigen Kurven dann auch zum Wanderparkplatz, von dem aus wir starteten.
Dort ausgestiegen, hat es uns aber trotzdem erst einmal gefroren, obwohl es schon fast Mittag war. Der Parkplatz befindet sich auch auf ca. 735 Metern. Im Frühling und im Schatten merkt man das dann doch noch ein bisschen…
Was kann man vom Brandenkopf aus sehen?
- Hornigsrinde (höchster Berg des Nordschwarzwalds)
- Feldberg (höchster Berg des Schwarzwalds)
- Rheinebene
- Vogesen in Frankreich
- mit Föhn Zugspitze und sogar den Mont Blanc
Unsere Route im Detail
Los gings vom Parkplatz der Kreuzsattelhütte. Trotz der Jahreszeit waren einige Parkplätze schon belegt, denn neben der Wanderung zum Brandenkopf gibt es hier natürlich noch viele andere schöne Touren.
Für unseren Einstieg heute mussten wir ein Stück die Straße zurücklaufen, von der wir hergekommen waren und dann links in den Wald rein.

Die Straße hinter uns gelassen, läuft man einen schönen Waldweg entlang. Links erlauben die Bäume immer mal wieder einen Blick über die eine oder andere Baumkrone des Schwarzwalds.
Man geht auf weichem Boden mit viel Grasbewuchs und an manchen Stellen wird es sehr grün und wild, was einen sofort in fairytale-Stimmung versetzt.
Erste Pause an schöner Picknick-Bank
Bis hier hielt sich die Steigung noch in Grenzen – eine Stärkung war deshalb eigentlich noch gar nicht nötig.
Aber als wir nach 30 Minuten an dieser großen Wegkreuzung vorbeikamen und die Sonne gerade so schön schien, hat es sich einfach angeboten, sich doch kurz auf diese schöne Picknickbank zu sitzen und ein wenig zu snacken.

Der Platz dieser Bank in der Sonne ist wirklich perfekt getroffen – es war einfach nur herrlich!
Auch Mavi hatte Freude an ihrem ersten Wander-Schinken und war dann natürlich überaus motiviert (und gestärkt) weiterzugehen.

Ab jetzt: immer nach oben
Nun gibt es die nächsten Stunden/Kilometer eigentlich nur zwei Richtungen: hoch und dabei rechts halten.
Die meiste Zeit ist der Weg gut ausgeschildert, aber es gibt so ein paar Stellen, da hat uns die Navigation auf dem Handy doch geholfen (ansonsten hieß es ein paar Meter zurücklaufen und den anderen Abzweig nehmen).
Weil wir mit Mavi zu dieser Zeit im Training waren, sind wir die meiste Zeit mit Schleppleine gelaufen und haben geübt – Mavi interessierte sich nicht für eventuelle Strapazen, was Höhenmeter oder Distanz anging, sie wollte uns hüten und wir konnten (mussten) deshalb üben, dass sie das eigentlich nicht zu tun hatte.
Aber Pubertät macht nun mal nicht unbedingt Pause, nur weil man als Familie beschließt, heute wandern zu gehen.
Trotzdem ergaben sich viele Momente, an denen Mavi und Mia ein kleines Wettrennen machen konnten und Hunde, die normal und schön nebenherlaufen, haben hier auch genug Möglichkeiten ohne Leine zu laufen.

Die Wege sind mal breiter, mal schmaler und auch die Bodenbeschaffenheit wechselt zwischen Schotter und lockerem Waldboden.
Überrascht hat uns hier, viele bunte, glitzernde Steine, sogar deutlich mehr als auf unserem Spaziergang auf dem Achatweg, zu finden – weshalb uns dieser Abschnitt auch etwas mehr Zeit gekostet hat. Denn so manche Augen waren nur damit beschäftigt, den Boden nach hübschen Steinen abzusuchen. Natürlich nur die von Mann und Kind 😉
Aber auch andere süße Details gibt es hier zu sehen – zum Beispiel auf einem Baumstumpf dieses geschnitzte Herz.

Und riesige, skurril anmutende Pilze verstärkten an so mancher Stelle den subtilen Eindruck eines Märchenwalds mit verwunschener Landschaft.

Straße, Schotter und Brunnen
Bis zur nächsten Abzweigung läuft man auch zeitweise an der Straße bzw. muss diese überqueren. Hier kamen auch tatsächlich ein paar Autos vorbei, also gut auf Kinder und Hund aufpassen.
Der Schönheit der restlichen Strecke tut dies aber keinen Abbruch. Die meiste Zeit bewegt man sich ohnehin auf Wegen im Wald.

Nett sind die am Wegrand aufgestellten Tafeln mit Anekdoten aus vergangener Zeit. Man begegnet ihnen relativ früh zu Beginn der Runde und liest sie zuletzt, bevor es wieder zurück nach unten geht.

Meistens erklären sie, was sich an dem Ort, an dem man sich gerade befindet, vor vielen hundert Jahren Dramatisches oder Mysteriöses zugetragen hat – schmunzeln inklusive.

An klaren Tagen hat man nun zunehmend die Gelegenheit, seinen Blick weit über den Schwarzwald hinaus zu werfen.
Besonders beeindruckend wird es bei einer Föhnlage: Dann sorgt trockene, klare Luft für außergewöhnliche Fernsicht und mit etwas Glück erscheinen im Süden sogar die schneebedeckten Alpen. Wir hatten an dem Tag leider keins.

Ich würde jetzt noch nicht von den letzten Metern reden, aber umso steiler es wird, umso näher kommt man auch dem Ziel.
Dieser letzte Abschnitt mit Schotter hat es definitiv in sich. Außer Mavi haben auch wir hier kurz – oder auch ein paar Mal mehr – Luft holen müssen.
Rechts vom Weg befindet sich ein netter, älterer Trinkbrunnen. Wasser auffüllen also ausdrücklich möglich. Frischer gehts ja kaum.

Nach der Schotterpiste hat man mehrere Möglichkeiten, nun vollends nach oben zu gelangen.
Wir sind mitten durch und können daher nur raten, was die Wege außenrum anbelangt. Aber ich vermute, die beiden seitlichen Abzweige sind vielleicht etwas weniger steil, dafür aber einige Meter länger. Wir haben uns hierbei übrigens an einen offiziellen Weg aus einem Wanderguide gehalten. Unbekannte Wege haben ja so ihre Tücken und abseits bzw. dann mitten in den Naturschutzzonen zu landen, ist ja auch nicht unbedingt so prickelnd.

Wie gesagt sind wir der GPX-Route gefolgt. Diese paar Meter waren wirklich anspruchsvoll, da es große Steine und Wurzeln mitten auf dem Weg gab. Wurde dieser schmaler, konnte man auch nicht einfach rechts oder links dran vorbeigehen. Und das Drübersteigen erforderte dann doch etwas Geschick und Konzentration.
Einen Punkt Abzug gibt es für den hässlichen Funkturm, an dem man rechts vorbeikommt, kurz bevor man oben angekommen ist. Der wirkt wie ein viel zu großer, völlig deplatzierter, scheußlicher Fremdkörper und gehört dort einfach nicht hin.

Ziel: Der Brandenkopfturm
Aber kurz nachdem man diesen hässlichen Funkmast hinter sich gelassen und diese letzten paar anstrengenden Meter überwunden hat, kommt man zur Belohnung oben am Gipfel des Brandenkopfs an.
Hier oben steht das Wanderheim Brandenkopf mit Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeit – unbedingt die Öffnungszeiten checken. Es gibt einen Spielplatz, einen Snack-/Getränkeautomaten und natürlich den Brandenkopfturm.

Der Brandenkopfturm kann gegen Vertrauenspreis bestiegen werden.
Dort oben angekommen kommt man auch schließlich in den Genuss, über die endlosen Wälder des Schwarzwalds zu blicken. Wie bereits erwähnt, hatten wir an dem Tag kein Glück, gute Fotos mit Weitsicht zu schießen.
Aber auch ohne Foto lassen sich natürlich zahlreiche bekannte Gipfel erkennen – darunter die Hornisgrinde, der höchste Berg des Nordschwarzwalds, sowie bei guter Sicht der Feldberg, der höchste Gipfel des gesamten Schwarzwalds.
Auch die tief eingeschnittenen Täler von Kinzig, Harmersbach und Wolfach prägen das Panorama.

Damit diese Fernsicht überhaupt möglich ist, wurde in der Vergangenheit auf dem Gipfel bereits mehrfach ein Aussichtsturm errichtet.
Heute steigt man auf den 32 Meter hohen Brandenkopfturm aus Buntsandstein, der 1929 gebaut wurde. Davor standen hier Türme aus Holz.
Zusammen mit der Gipfelhöhe befindet man sich damit auf knapp 980 Metern Aussichtshöhe über dem Meeresspiegel.

Zum Brandenkopfturm und dem Wanderheim führen übrigens auch die Straßen, die man zuvor auf dem Weg nach oben überqueren musste.
Damit gelangt man nicht nur mit dem Auto oder Fahrrad nach oben, sondern könnte auch, in Verbindung mit einer Übernachtung im Wanderheim, den Brandkopfgipfel als Startpunkt für eine deutlich ausgedehntere Wanderung durch den Schwarzwald nutzen.

Übrigens hieß der Brandenkopf nicht schon immer so. Bis ins Jahr 1730 lautete sein Name: Varnlehenskopf.
Ein großer Waldbrand auf dem Gipfel verlieh ihm seinen heutigen Namen – Brandenkopf.
Abstieg: Und wieder nach unten
Nach unten gelangt man, neben der Straße und weiteren Wanderrouten, auch weiterhin über einen schönen Waldweg.
Unmittelbar zu Beginn dieses Rückwegs durchquert man, laut den angebrachten Tafeln, den ältesten Naturlehrpfad Deutschlands.

Vorbei an idyllischen Sitz- und Ruheplätzen, um nochmal die Aussicht zu genießen, hält man sich rechts, um einem Schotterweg weiter nach unten zu folgen.

Der Weg hier ist breit genug, so dass er auch von Radfahrern genutzt werden kann. Über große Steine oder Wurzeln muss man hier nicht mehr steigen und bekanntermaßen ist der Abstieg so viel schneller vollbracht, als man nach dem doch anstrengenden Weg nach oben für möglich halten möchte.

How to wander KISS*
Keep it simple, stupid – wir wollen es in unserer Wander-Rubrik so einfach und unkompliziert wie möglich halten.
Um einfach zu wandern, benötigt man weder unnötigen Equipment-Kram noch allerhand unnötige Informationen. Deshalb beschränken wir uns hier auf das, was ihr wirklich benötigt, um eure Tour zu starten.
Dazu gehören zum einen die Wanderroute als GPX-Download und zum anderen die wichtigsten Punkte der Tour wie Parkplatz, Einstieg und Ziel in Form von Links mit den exakten Koordinaten.
GPX-Wanderkarte zur Wanderung zum Brandenkopf
Hier kannst du die GPX-Datei zur Brandenkopf Wanderung inklusive der wichtigsten POI-Koordinaten entlang der Route herunterladen.
Einfach den Link des jeweiligen Punkts anklicken und anschließend über Google Maps navigieren lassen – in diesem Fall benötigt ihr außer Google Maps keine weitere App.

POI-Koordinaten (Links) für deine Brandenkopf-Wanderung
Einfach den Link des jeweiligen Highlights anklicken und anschließend über Google Maps navigieren lassen – in diesem Fall benötigt ihr keine weitere App, außer Google Maps (die man meistens ohnehin schon nutzt).
- Parkplatz Kreuzsattel
→ auf Google Maps öffnen - Unser Einstieg
→ auf Google Maos öffnen - Rastplatz mit Sitzbank
→ auf Google Maps öffnen - Wegweiser Bettelfrau
→ auf Google Maps öffnen - Gipfel Brandenkopf mit Wanderheim/Gaststätte
→ auf Google Maos öffnen
Fazit: Der Schwarzwald liegt dir zu Füßen
Wer unsere anderen Wanderungen kennt, vermag vielleicht beim Brandenkopf dieses durchgängige "Oh-wow"-Gefühl vermissen. Hinzu kommen dezente Störgefühle, weil man stellenweise an der Straße laufen muss oder mitten im Wald ein Funkturm steht.
Aber: Spätestens, wenn sich nach dem letzten Anstieg plötzlich die Landschaft öffnet und der Blick weit über den Schwarzwald oder sogar bis zu den Alpen reicht, dann hat man ihn:
Diesen Moment, der eine Wanderung besonders macht.
Wer eine Tour sucht, die harte Beinarbeit mit Natur und Fernsicht belohnt, wird am Brandenkopf kaum vorbeikommen.
Eine kleine, anspruchsvolle Challenge – trotzdem für Kinder und Hunde machbar – mit einem der höchsten Punkte des Schwarzwaldes als Ziel.
Praktische Infos zum Brandenkopf
- Anfahrt & Adresse: Auto (Wanderparkplatz, Kreuzsattel Hütte, 77709 Oberwolfach)
- Parken: Einige kostenlose Parkplätze für Auto, Wohnmobil, Motorrad
- Fahrrad: Für Mountainbikes über den Waldweg, mit einem Gravelbike über den Straße
- Einkehr: Kreuzsattel Hütte am Start/Ziel oder Wanderheim Brandenkopf am Gipfel des Brandenkopf
- Öffnungszeiten Brandenkopfturm: ganzjährig gegen geringen Vertrauenspreis
FAQ
Wie hoch ist der Brandenkopf?
Mit 945 Metern gehört der Brandenkopf zu den höchsten Bergen des Mittleren Schwarzwalds. Zusammen mit dem 32 Meter hohen Aussichtsturm genießt ihr den Ausblick von fast 980 Metern Höhe – einem der schönsten Aussichtspunkte der Region.
Kann man die Alpen sehen?
Ja, allerdings nur bei sehr guten Sichtverhältnissen. Herrscht Föhn ist die Luft außergewöhnlich klar. Dann lassen sich neben den Vogesen, dem Feldberg und der Rheinebene mit etwas Glück sogar die schneebedeckten Alpen am Horizont erkennen.
Ist die Wanderung anspruchsvoll?
Die Tour ist als mittelschwer einzustufen. Technisch gibt es keine schwierigen Stellen, allerdings sorgen über 9 Kilometer Strecke, einige längere, anstrengende Anstiege und mehr als drei Stunden Gehzeit dafür, dass eine normale Grundkondition empfehlenswert ist.
Mit etwas Wandererfahrung ist die Strecke auch für größere Kinder gut machbar.
Gibt es eine Einkehr?
Ja. Direkt am Gipfel befindet sich das Wanderheim Brandenkopf, das je nach Saison warme Speisen, Getränke und Kuchen anbietet. Da die Öffnungszeiten variieren können, empfiehlt es sich, diese vor der Wanderung kurz zu prüfen oder vorsichtshalber ausreichend Getränke und eine kleine Brotzeit mitzunehmen.
Ist der Turm geöffnet?
Der Aussichtsturm auf dem Brandenkopf ist grundsätzlich frei zugänglich und kann während der Wanderung bestiegen werden. Nur bei außergewöhnlichen Wetterlagen oder aus Sicherheitsgründen kann es zu Sperrungen kommen.
Ist die Tour mit Hund geeignet?
Ja, die Wanderung eignet sich gut für Hunde. Die Wege sind überwiegend breit und gut begehbar, außerdem gibt es unterwegs immer wieder schattige Waldabschnitte. Gerade an warmen Tagen solltet ihr dennoch ausreichend Wasser für euren Vierbeiner mitnehmen.
Unsere Tipps für deine Wanderung
- Höhenlage nicht unterschätzen, je nach Jahreszeit und Uhrzeit kann es ziemlich kühl werden
- Picknick mitnehmen – falls die Hütten nicht geöffnet haben
- Sonnenaufgang / Sonnenuntergang für das perfekte Foto-Licht
- Kleingeld für den Aussichtsturm
Gadgets für diese Wanderung
Die Wanderung auf den Brandenkopf lebt von ihrer abwechslungsreichen Landschaft und der grandiosen Aussicht. Mit ein paar kleinen Helfern wird die Tour noch entspannter.
Einige der Links in diesem Beitrag sind Affiliate-Links (mehr dazu hier). Wenn du über sie bestellst, unterstützt du unseren Blog ganz ohne Mehrkosten für dich – danke dafür! 🌲
Fernglas
Mit etwas Glück erkennst du von hier oben Vogesen, Feldberg und bei Föhn sogar die Alpen.
Windjacke
Auf dem Gipfel kann es selbst an warmen Tagen überraschend windig werden – eine leichte Windjacke nimmt kaum Platz weg und (oder Frau) man kann sie immer mal brauchen.
Sitzkissen
Rastplätze gibt es einige, doch Holzbänke oder Steine sind oft kühl oder feucht.
Wanderstöcke
Gerade beim steileren Auf- und Abstieg entlasten Wanderstöcke Knie und Gelenke und geben auf steinigen Passagen zusätzlichen Halt.
Powerbank
Wer viele Fotos macht oder GPX-Navigation nutzt, leert den Handyakku schneller als gedacht – mit einer kleinen Powerbank bleibt genug Energie bis zum Tourende.