Einführung
Dass dieser große Nachtvogel im Schwarzwald wieder häufiger vorkommt, ist kein Zufall, sondern Teil einer Entwicklung, über die inzwischen auch einige regionale Medien berichten.
Auch wir hören den Ruf des Uhus hier regelmäßig in den Abendstunden. Und gesehen haben wir ihn bereits. Bei einem Spaziergang am Morgen ist ganz plötzlich dieser imposante Vogel über mich hinweggeflogen. Ganz unerwartet. Ich bin noch immer ganz fasziniert.
Solche überraschenden und zufälligen Tierbegegnungen in der freien Natur sind jedes Mal aufs Neue etwas ganz Besonderes.
→ Weitere Themen rund um Wald und Natur im Schwarzwald haben wir hier zusammengestellt.
Der Uhu – größte Eule Europas
Der Uhu (lateinisch Bubo bubo) genoss früher den Ruf als Herrscher der Nacht.
Grund dafür dürften sein massiger Körper und eine beeindruckende Flügelspannweite von knapp 170 cm bei den Weibchen bzw. ca. 160 cm bei den Männchen, sein. Er ist die größte Eule Europas und zählt zu den größten Eulenarten weltweit. In der Biologie wird das Phänomen, dass die Weibchen größer werden als die Männchen, als „reverser Geschlechtsdimorphismus” bezeichnet.
Sein Gefieder variiert in verschiedenen Brauntönen, während die Ohren etwas dunkler gefiedert sind und je nach Stimmung angelegt oder aufrecht gestellt werden – ähnlich wie bei manchen Hunderassen.
Ein Markenzeichen ist der typische Ruf des Uhus, der bei Männchen und Weibchen ziemlich identisch klingt und typischerweise während der Brutzeit zu vernehmen ist. Zur Balzzeit verändert sich dieser namensgebende Laut und die beiden Geschlechter werden in ihrer Interaktion sehr kommunikativ, während sie ansonsten eher stille und friedliche Waldbewohner sind. Uhu-Pärchen sind meistens monogam.
Bei ausreichender Nahrung bleiben sie ihrem Revier treu. Auf dem Speiseplan des nachtaktiven Jägers stehen hauptsächlich kleine Nagetiere wie Ratten oder Mäuse.
Einmal pro Jahr bekommt der Uhu Nachwuchs. Die im Frühling gelegten Eier werden vom Weibchen ausgebrütet. Als Nistplätze nutzen sie Höhlen und Nischen in Felswänden sowie alte Horste anderer Greifvögel.
Bis die Jungen flugfähig sind, dauert es ca. 70 Tage. Zuvor werden die jungen Uhus aber bereits aktiv und verlassen kletternd und hüpfend den Horst. Innerhalb der Familie verbleiben die Jungtiere zumeist aber noch einige Monate länger. Es ist nicht ungewöhnlich, dass junge Uhus erst am Ende des Jahres, in dem sie geschlüpft sind, vollständig flügge werden.
Trotz einer beachtlichen Sterblichkeitsrate im ersten Lebensjahr (bis zu 70 %), können Uhus in freier Wildbahn etwa 25 bis 30 Jahre alt werden.
Warum der Schwarzwald wieder zum Rückzugsraum für den Uhu wird
Wie bei den meisten Wildtieren ist auch beim Uhu der Mensch der einzige wirklich gefährliche natürliche Feind.
Aufgrund seines schlechten Rufs wurde der Uhu im 19. Jahrhundert bis auf wenige Exemplare dezimiert. Als sogenannter Totenvogel galt er lange Zeit als Unglücksbringer und wurde systematisch verfolgt. Abschüsse, die Zerstörung von Horsten und die gezielte Bejagung führten dazu, dass der Uhu in vielen Regionen nahezu verschwand.
Schutzprogramme und Jagdverbote sorgten dann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dafür, dass der Uhu in viele Gebiete zurückkehrte und dank seiner hervorragenden Anpassungsfähigkeit an verschiedene Lebensräume auch geblieben ist. Auch wenn der Uhu aktuell nicht mehr als gefährdet gilt, ist eine Störung der Tiere während der Brutzeit gesetzlich untersagt.

Sie bevorzugen eine abwechslungsreiche Umgebung. Neben frei zugänglichen Steilwänden, die hauptsächlich zur Brut gerne genutzt werden, benötigen sie außerdem Zugang zu Gewässern, kleineren baumbewachsenen Flächen (Feldgehölze) und offenen Landschaftsabschnitten, um sich wohlzufühlen.
Eine solche vielfältige Landschaft, wie sie der Schwarzwald mit seinen Nadelwäldern, Steilhängen und Freiflächen bietet, stellt für den Uhu einen optimalen Lebensraum dar und bietet ihm damit perfekte Bedingungen zum Jagen und Fortpflanzen.
Aktuelle Berichte aus der Region bestätigen, dass der Uhu im Schwarzwald wieder häufiger vorkommt. So berichtet eine regionale Zeitung über das Comeback des früher stark bedrohten Vogels und bezeichnet den Schwarzwald inzwischen wieder als wichtigen Lebensraum.
Da der Uhu heute nicht mehr aktiv gejagt wird und sich seine Population gut erholen konnte, gilt es nun, Störungen anderer Art weiter zu minimieren.
So sollten Kletterer und Freizeitsportler die Brutplätze und -zeiten beachten.
Weil Stromleitungen oder Windenergieanlagen für den Uhu noch immer gefährlich sein können, befinden sich im Umkreis der sensiblen Brutplätze meist weit gefasste Schutzzonen.
Ist der Uhu im Schwarzwald noch gefährdet?
Auch wenn sich die Population des Uhus in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erholt hat, bleibt die Art störungsempfindlich.
Lebensraumverlust, Kollisionen mit Infrastruktur sowie menschliche Eingriffe können lokale Bestände weiterhin gefährden. Eine stabile Entwicklung bedeutet also nicht, dass der Schutz vernachlässigt werden darf.
Hören statt sehen – warum Sichtungen selten sind

Da der Uhu überwiegend nachtaktiv ist und sich tagsüber gut versteckt, sind Sichtungen eher selten.
Nur zum Sonnen oder Sandbaden sind sie auf dem Boden anzutreffen, während sie sich sonst hoch in den Bäumen oder an Felswänden verstecken und schlafen.
Wie bei den meisten anderen Wildtieren im Wald gilt auch für den Uhu, dass man ihn oder seinen Ruf viel schneller und öfter hört, als man ihn tatsächlich sieht – egal, wie konzentriert man im Anschluss das Gebiet absucht, aus dem das Rascheln kam.
Sein tiefer, weittragender „Uhu“-Ruf ist vor allem in der Balz- und Brutzeit über große Distanzen hörbar und dient der Revierabgrenzung sowie der Kommunikation zwischen den Partnern.
So spielen die Tageszeit (Dämmerung = Aktivitätszeit) und eine Ausrüstung, die das Aufspüren erleichtern könnte (Taschen-/Stirnlampe), nur eine untergeordnete Rolle.
Im Winter verschwinden die Nachtjäger förmlich zwischen den gleichfarbigen, kahlen Baumstämmen. Im Sommer bieten die dann dicht bewachsenen Baumkronen wiederum guten Schutz, sodass sie nicht gesehen werden.
Außerdem gibt es nicht überall Felswände oder Steinbrüche, an denen sich die Uhus gerne aufhalten.
Begegnungen mit einem Uhu – besondere Rücksicht ist gefragt
Uhus sind relativ zurückgezogen, weshalb es schwierig ist, sie zufällig zu entdecken.
Hohe Bäume mit starken Ästen nutzt er gerne, um es sich bequem zu machen.
Bei Regen können die Chancen steigen, denn dann macht sich dieser ohnehin schon große Vogel noch größer indem er seine Federn sträubt und die Flügel auffächert, um so dem Regen zu trotzen.
Wenn man dann das Glück hat, einen Uhu zu erspähen, sollte man sich ruhig verhalten und Abstand halten – sonst ist das scheue Tier noch schneller wieder verschwunden.
Führt man einen Hund mit, sollte dieser bei einer Tierbegegnung im besten Fall an der Leine sein. Läuft er frei, darf er dem Uhu bei einer Begegnung natürlich nicht nachstellen (mehr zum Thema Hund im Wald könnt ihr hier nachlesen).
Hunde gelten als Stressfaktor für die Tiere im Wald. Oft reicht bereits ihre Anwesenheit, damit sich die Wildtiere erst recht nicht blicken lassen.
Verletzter Uhu – was tun?
Findet man einen verletzten Uhu, der nicht mehr flugfähig ist, sollte man zunächst versuchen, ihn mithilfe einer Jacke einzufangen. Sobald er nichts mehr sehen kann, beruhigt er sich in der Regel und neigt dann nicht mehr dazu, sich selbst oder seinen Retter zu verletzen.
Wenn der Uhu sicher tragbar ist, sollte er anschließend in einem ausreichend großen Karton transportiert werden. So nimmt das Gefieder keinen Schaden und der Uhu kann sich weiter beruhigen. Es empfiehlt sich, auch Handschuhe zu tragen, da die kräftigen Fänge des Uhus erhebliche Verletzungen verursachen können.
Ästlinge (flügge gewordene Jungvögel) hingegen sollten nicht mitgenommen werden. Hier kümmern sich die Eltern weiter. Sie sind meistens schon vollständig befiedert, können aber noch nicht fliegen und hüpfen deshalb. Normalerweise sind Ästlinge nicht weit vom Nest entfernt und ihre Eltern befinden sich in unmittelbarer Nähe.
Ein verletztes Tier sollte möglichst zeitnah zu einem Tierarzt oder in eine Wildtierauffangstation gebracht werden.
Uhus im Schwarzwald – kurz zusammengefasst
- nachtaktiv und gut versteckt
- reagieren sensibel auf Licht und Lärm
- Rückzugsräume nicht betreten
- Abstand halten – Beobachtung nur aus der Distanz